Hildegard Keul

Wenn die Lust mit in das Pflegeheim einzieht

Hildegard Keul ist hauptamtlich Lehrende am Fachbereich Sozialwesen/Wiesbaden, Sozialarbeiterin, Systemische Therapeutin und Sexualtherapeutin in eigener Praxis. Bis 2019 war sie Mitarbeiterin in einem HMWK-finanzierten Forschungsprojekt zur Erforschung von Haltungen und Einstellungen von Pflegefachkräften zum Thema Sexualität in Altenpflegeeinrichtungen.

Sexualität im hohen Lebensalter kann als der letzte sexuelle Entwicklungsabschnitt des Menschen bezeichnet werden. Dieser ist gesättigt von widerspruchsvollen, zuschreibenden und reglementierenden Appellen der Gesellschaft.

 Zwar nehmen Abbildungen und Darstellung zu Sexualität zwischen alten Menschen medial zu, wodurch der Eindruck von Akzeptanz und Gesellschaftsfähigkeit entsteht; diesen (bewegten) Bildern wird jedoch vor allem solange akzeptierend begegnet, wie sie sich in gängige romantische Bildwelten von Liebe im Alter einbetten lassen und die empirische Realität bedeutender Lebenslagen im Alter, wie „Singularisierung, Feminisierung und Pflegebedürftigkeit“ ausgeblendet wird (Gröning, 1999).

Darüber hinaus führt die erwartete Notwendigkeit eines jugendlichen Aussehens für sexuelle Bedürfnisse und Aktivitäten zu einem tiefgreifenden Vorurteil, welches die Tabuisierung von Sexualität im Alter aufrechterhält. Diese negativen Altersstereotypen führen unwillkürlich dazu, dass auch ältere Menschen sich selbst diese gesellschaftliche Auffassung vom asexuellen Alter zuschreiben, obwohl sie anders empfinden (Bach, 2011).

„Wenn die Lust mit in das Pflegeheim einzieht“, ist diese dann ein:e stille Mitbewohner:in oder ein gleichwertiges Mitglied mit Rechten und Aktionsraum? Den Gedanken weiterführen freue ich mich auf Ihren Besuch im Fachtag „Lust mit Genuss.“ (Text Hildegard Keul)



Einen Dank an Hildegard Keul für den Einblick, was Menschen im hohen Alter von der Gesellschaft in Sachen „Lust im Alter“ erwarten dürfen. Es gibt viel zu tun.

Kategorien: Aus dem Leben